„Männer wollen mehr Zeit für die Familie”
Interview mit Volker Baisch von VÄTER gGmbH
Volker Baisch ist diplomierter Sozialwirt und zweifacher Vater. Als Geschäftsführer der VÄTER gGmbH, Berater, Coach und Buchautor engagiert er sich für die Vereinbarkeit von Vaterschaft und Karriere. Im Gespräch mit Forum W macht er deutlich, wie wichtig es ist, dass Paare miteinander im Dialog bleiben, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht.
Forum W: Wie ist die Bereitschaft von Männern einzuschätzen, den beruflichen Wiedereinstieg ihrer Partnerinnen zu unterstützen?
Volker Baisch: Grundsätzlich ist die Bereitschaft vorhanden, das zeigt ja auch gerade die aktuelle Allensbach-Studie „Monitor Familienleben 2010”. 60 Prozent der befragten Väter haben den Wunsch, für ihre Kinder ihre Arbeitszeit zu reduzieren, das sind weitaus mehr Männer als früher. Die Bandbreite, in welchem Umfang Väter weniger arbeiten wollen, ist je nach individueller Lebenssituation unterschiedlich: Manche wollen nur einen halben Tag in der Woche weniger arbeiten, andere zwei Tage in der Woche. Je nach Branche und je nach Unternehmen ist das nicht immer einfach – aber die Bereitschaft ist bei vielen Männern deutlich vorhanden.
Forum W: Haben Sie Erfahrungen sammeln können, welche Überlegungen für die Männer dahinter stehen, wenn sie sich mehr Zeit für die Familie nehmen?
Volker Baisch: Wie gesagt, die individuelle Situation gibt den Ausschlag. Viele Männer empfinden es als angenehm, nicht mehr nur der Alleinernährer zu sein, damit nimmt man ihnen eine Last von der Schulter. Andere Paare finden es perspektivisch besser, wenn auch die Partnerin ihre beruflichen Qualifikationen nutzt und weiterentwickelt. Natürlich spielt auch die finanzielle Situation eine Rolle: zwei Einkommen sind halt besser als eins. Nach meiner Erfahrung ist es für die Väter identitätsfördernd, wenn sie sich nicht nur über ihre berufliche Karriere definieren. Es geht ihnen dabei auch gesundheitlich besser.
Forum W: Welche Ursachen sind dafür verantwortlich, dass es in der Wiedereinstiegsphase zu Spannungen zwischen den Partnern oder in der Familie kommt?
Volker Baisch: Wenn es keine klare Kommunikation über Erwartungen und Ziele zwischen dem Paar gibt, kann das zu Schwierigkeiten führen. Zum Beispiel sollte eine Frau auch deutlich von ihrem Partner einfordern, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht allein ihre Sache ist, die sie still und geräuschlos organisiert. Die Mutter muss beispielsweise dem Vater auch Raum und Verantwortung (über)lassen.
Forum W: Was raten Sie Paaren, bei denen ein Partner beruflich wieder einsteigen möchte? Gibt es konkrete Tipps in der Wiedereinstiegsphase selbst?
Volker Baisch: "Reden Sie miteinander und glauben Sie nicht, dass sich alles schon von alleine regelt!" - Der Dialog zwischen den Paaren muss stattfinden. Oft rutschen Paare nach der Geburt von Kindern in eine Situation, in der vieles unausgesprochen bleibt. Dabei ist es wichtig, über eigene Vorstellungen und Wünsche zu sprechen. Nach meiner Erfahrung ist es hilfreich, wenn Paare sich dabei begleiten lassen, denn es kann ja auch zu Konflikten kommen. Wichtig ist, dass alle an einem Strang ziehen. Auch die Kinder sollten nach und nach miteinbezogen werden. Sie können zunehmend Aufgaben im Haushalt übernehmen und selbständig neue Wege gehen, müssen vielleicht nicht mehr zum Sport begleitet werden.
Weitere Informationen finden Sie hier:
Väter – Die Website für den Mann mit Kind
und auf den Seiten des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:
Monitor Familienleben des BMFSFJ

