Wenn nicht jetzt – wann dann? 3 Fragen an... Ulrike Quante
Ulrike Quante leitet die Gleichstellungsstelle ihrer Stadt seit 15 Jahren. Dort berät sie unter anderem Frauen, die nach einer Familienphase in den Beruf zurückkehren möchten. Ihr Team hat gerade den Frauentaschenkalender zur Berufs- und Wiedereinstiegsplanung für die Region Hochsauerlandkreis veröffentlicht. Zeitlich passend dazu hat Ulrike Quante in Kooperation mit dem Frauenbildungsnetzwerk Arnsberg einen Infotag zum Thema Berufsrückkehr organisiert. Etwa 100 Frauen nutzten die Chance.
Forum W: Wie konkret hat der Infotag Wiedereinstieg Frauen aus Ihrer Gemeinde geholfen und welche dringenden Fragen haben Wiedereinsteigerinnen angesprochen?
Ulrike Quante: Eigentlich hatte ich angenommen, dass unser Infotag, Frauen anspricht, die gerade anfangen über eine Rückkehr in ihren Beruf nachzudenken. Aber die meisten Frauen, die kamen, waren sehr gut vorbereitet. Sie haben fast alle aktiv an der Umsetzung ihres Wiedereinstiegs gearbeitet. Das hat mich überrascht. Die meisten von ihnen waren etwa fünf bis sieben Jahre aus dem Beruf raus. Sie haben gezielt nach Qualifizierungen gefragt, bei denen sie - auch in einem weiteren Sinne - an ihren früher ausgeübten Beruf anknüpfen konnten. Viele waren vor ihrer Familienphase in unterschiedlichen Gesundheitsberufen tätig und damit sehr interessiert an den medizinischen Weiterbildungsangeboten der Bildungsstätte unserer Arnsberger Krankenhäuser. 20 konkrete Anfragen von Frauen gingen dort ein - das ist ein schöner Erfolg.
Womit ich gar nicht gerechnet habe: Auch Frauen, die nach einer recht kurzen Phase (zwei bis drei Jahre) wieder in ihren Beruf zurück wollen, kamen zum Infotag. Schon sie erleben, wie schwierig es ist, an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Denn viele Arbeitgeber wollen einfach keine Teilzeitkräfte. Deshalb habe ich mir vorgenommen die Zusammenarbeit mit den Industrie- und Handelskammern (die übrigens auch vor Ort waren) zu verstärken. Gemeinsam können wir das Thema Teilzeit besser angehen und insbesondere mittelständische Unternehmen auf das Potenzial der Berufsrückkehrerinnen aufmerksam machen.
Forum W: Was raten Sie Frauen, die zurück in den Beruf wollen?
Ulrike Quante: Einen langen Atem! Und sie sollten so schnell wie möglich mit der Rückkehr beginnen. Zuerst einmal muss die Familiensituation geklärt sein - wie funktioniert die Kinderbetreuung oder die Pflege von Angehörigen. Außerdem ist es wichtig, sich fortzubilden: Wer fünf Jahre nicht im Unternehmen war, wird sich wundern, was zu den Standardaufgaben gehören kann.
Wichtig ist mir außerdem, Frauen anzusprechen, die noch gar nicht über eine Berufsrückkehr nachgedacht haben: Alle nach 1960 Geborenen erhalten nur noch 55 Prozent der Rente ihres Mannes, wenn etwas passiert. Die Lebenserhaltungskosten werden aber nicht geringer. Deshalb lohnt es sich auch noch für zehn Jahre wieder einzusteigen. Mir ist es ein großes Anliegen, Frauen zu zeigen, was sie im Alter erwartet, wenn sie nicht auch persönlich vorsorgen.
Forum W: Wer unterstützt Wiedereinsteigerinnen bei Ihnen in Arnsberg?
Ulrike Quante: Unterstützung finden Wiedereinsteigerinnen natürlich bei uns und bei der Frauenberatungsstelle Frauen helfen Frauen e.V. Als neue Hilfe hat der Hochsauerlandkreis zum ersten Mal einen Frauentaschenkalender herausgegeben. Darin finden sich nicht nur Beratungsstellen zum Thema Berufsrückkehr für unsere Region sondern auch Tipps und mögliche Wege, wie der Wiedereinstieg klappen kann..
Der Frauentaschenkalender zur Berufsrückkehr ist in allen Stadtbüros kostenfrei erhältlich.
Außerdem finden Sie den Kalender als Download (PDF, 740 KB) auf den Seiten aller Kommunen des Hochsauerlandkreises unter unseren Lokalen Angeboten.
Weitere Informationen unter:
Stadt Arnsberg, Gleichstellungsstelle

