Gelesen: Mit dem FamCompass Familienkompetenzen beruflich nutzen
In deutschen Haushalten wird ein enormes Maß an unbezahlter Arbeit geleistet: 96 Milliarden Stunden sind es jährlich laut wissenschaftlichen Schätzungen – fast doppelt so viele wie bezahlte Erwerbsarbeit. Erbracht wird diese Arbeit nach wie vor größtenteils von Frauen. Den Haushalt und das soziale Leben organisieren, Kinder betreuen und erziehen, den Schulalltag begleiten, Angehörige pflegen, die Finanzen regeln, – all das gehört zum „Management” des „Kleinunternehmens Familie” und verlangt vielfältige Kompetenzen. Anerkennung gibt es selten, obwohl die so genannten „soft skills” wie Einfühlungsvermögen, Organisations- und Teamfähigkeit, Multitasking, Flexibilität und Verantwortungsbewusstsein auch im Berufsleben gefragt sind.
Hier setzt der europäische „FamCompass” (Family Competences Portfolio) an, den das Deutsche Institut für Jugendforschung (DJI) mitentwickelt hat. Aufgrund einer Selbsteinschätzung der Teilnehmenden und zwei externer Begutachtungen werden die berufsrelevanten Familienkompetenzen dokumentiert. Ziel ist, diese Kompetenzen bei der Ausbildung und Erwerbstätigkeit vor allem in sozialen, pflegerischen und pädagogischen Berufen stärker wahrzunehmen und in Auswahlprozesse einzubeziehen.
Der „FamCompass” wurde von 2007 bis 2009 in einem internationalen Kooperationsprojekt entwickelt, den das Higher Institute für Family Sciences in Belgien koordiniert hat. Finanziert hat es das europäische Grundtvig-Programm, das auf Lehr- und Lernbedürfnisse erwachsener Menschen sowie alternative Bildungszugänge im Rahmen des lebenslangen Lernens in Europa abzielt.
Bislang gibt es allerdings in Deutschland noch keine Organisation, die den „FamCompass” anbietet. Einzelpersonen können das Instrument aber zur Selbsteinschätzung nutzen, ebenso wie die vom DJI erarbeitete „Kompetenzbilanz”. Zudem erprobt das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung in Nürnberg den Einsatz des „FamCompass” in Pflegeinrichtungen derzeit im Rahmen eines Forschungsprojekts.
Weitere Informationen:
Hier gelangen Sie direkt zum „FamCompass” (PDF)

